St. Joe

Bert holte uns vom Hotel an und hatte am Weg auch Frühstück gekauft, das wir hungrig während der Fahrt verschlangen. Die nächsten Tage sollten etwas instabileres Wetter bringen und es ist wohl wichtig, die Zeit zum Fliegen zu nützen so lange es möglich ist. Also wollten wir früh aufbrechen. Am Flugplatz angekommen konnten wir das schlechte Wetter bereits sehen, das von Südosten aufzog. Der gute Nebeneffekt war aber ein Rückenwind mit ca. 20 km/h.

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Über den Flug gibt’s nicht viel zu erzählen. Und hätte ich mehr Bilder geknipst, würden sie alle sehr ähnlich ausschauen. Wir landeten nur in Mexiko (die Stadt im Bundesstaat Missouri und nicht das Land gleichen Namens) um aufzutanken. St. Josephs Flughafen, Rosecrans Municipial Airport, erreichten wir nach 2 Stunden Flugzeit.

Nach dem Landen dirigierte uns der Fluglotse zum Parken neben ein oranges Aeronca Spornradflugzeug. Und als der Tankwagen zu uns stieß, begrüßte uns auch der Eigentümer der Aeronca, Steve Lawler, der bereits auf uns gewartet hatte. Greg hatte nämlich in von St. Louis bereits seinen Bekannten Doug Wildhagen in St. Joseph verständigt, der wiederum Steve bat, uns am Flughafen zu treffen. Wir wurden sozusagen weitergereicht, von einer Station zur nächsten. So viel Anteilnahme an unserer Reise zu erleben und persönliche Fürsorge ist immer wieder erstaunlich und herzerwärmend.

Ursprünglich wollten wir in Rosecrans nur auftanken und nach Salina weiterfliegen. Obwohl das Wetter für das nackte Auge noch fliegbar aussah, waren am Radar bereits kräftige Gewitter und Regenschauer entlang unserer Route zu erkennen. Nicht umsonst nennt man diesen Abschnitt des Landes „Tornado Alley“ – also Tornado Allee – da hier immer wieder stärkere Stürme und Gewitter auftreten. Gott sei Dank lassen sich diese Wetterphänomene sehr gut und genau vorhersagen, so dass die Gefahr von einem Tornado überrascht zu werden gering ist.

Steve sollte uns zu einem kleinen privaten Flugfeld in der Nähe führen und spielte in seiner Aeronca die Mutter Gans, die ihre kleinen Entlein führt.

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Nach nur 10 Minuten waren wir angekommen und landeten auf einer Wiese mit Hangar und angrenzendem Wohnhaus. Dort warteten bereits die Familie des Hausbesitzers, John Morrow, mit einigen Freunden auf unsere Ankunft.

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Nach der Begrüßung tischte die Hausfrau ein deftiges Mittagessen gleich dort im Hangar auf.

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Gerade als wir uns niedergesetzt hatten kam ein kräftiger Regenguss und erinnerte uns daran, dass wir hier auf gute Wetterinformation Wert legen sollten. Der Gyro fliegt zwar im Regen ebenfalls gut, allerdings wird es für die Piloten und das Gepäck sehr rasch ungemütlich und nass. Wir waren jedenfalls froh, ein Dach über dem Kopf zu haben und nicht nur zwei Rotorblätter.

St. Joseph ist übrigens der Geburtsort der berühmten Pilotin Amelia Earhart, die in den 30er Jahren unzählige Flugrekorde aufstellte, darunter auch der Höhenrekord mit einem Gyrokopter. Außerdem begann in St. Joseph der berühmte Pony Express, und hier ist es auch, dass der berüchtigte Westernrowdy Jessie James sein Ende fand.

Ein Foto des Hangars zeigt eine erkleckliche Anzahl von Flugzeugen, einen Magni M16 Gyrokopter und unsere beiden MT03. Der Magni gehört Doug, der selbst einige Minuten später ankam.

Nach dem Mitagessen, das wegen der Zeit eigentlich ein verpätetes Abendessen war, wollten Doug und Melinda (die in ihrer Aeronca Champ auch zu Besuch gekommen war) uns zu einem anderen privaten Flugfeld in der Nähe führen. Also bestiegen wir unsere Gyros und flogen zu dem ungefähr 10 Minuten entfernten Platz. Auch hier warteten bereits John Stehli, dem das Haus, die Hangars und die Landewiese gehörten, mit zwei Freunden auf uns.

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John ist bereits 82 Jahre, aber er hat bereits eine erkleckliche Anzahl an Flugzeugen gebaut und wolle uns die beiden Projekte, an denen er gerade arbeitet zeigen. Eines war ein selbst geschweißter Metallrahmen, das andere ein Holzrahmen. Beide waren liebevoll und genau ausgeführt. Nach dem 5. oder 6. Flugzeugbau hat man einfach einige Routine. Die Begeisterung dieser Leute und Hobbyflugzeugbauer ist wirklich ansteckend.

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Als wir nach ca. 1 Stunde wieder zurückflogen, wartete bereits eine Zeitungsreporterin auf uns, die alles über Gyrokopter, Homöopathie und unsere Reise wissen wollte. Wir schärften ihr besonders ein, Gyrokopter keinesfalls mit Hubschraubern zu verwechseln. Warten wir´s mal ab...

Da das Wetter etwas unbeständig sein soll, wissen wir noch nicht genau, wann es weitergehen wird. Unser nächster Stopp ist jedenfalls Salina, im Bundesstaat Kansas. Danach wird die Landschaft sehr trocken und wüstenartig und das Gelände steigt zunehmend bis zu den Rocky Mountains an. Wir sind schon sehr gespannt auf die Herausforderung dieser Berge.

 

Robert & Chris.