Tag 18 – Touristen

Robert und ich hatten uns am Vorabend vorgenommen, den kommenden Tag in Ruhe und Beschaulichkeit zu verbringen, Wäsche zu waschen, eMails zu schreiben und uns ein bisschen auszurasten. Ich hatte außerdem noch den Reisebericht vom Vortag zu schreiben. Da läutete um 6 Uhr das Telefon. Am anderen Ende war Jeff Jones, der Präsident der Public Rotory Craft Association für das südliche Kalifornien. Er wollte uns gerne treffen. Da Robert gerne einen Espresso trinkt und auch ich nichts gegen einen guten Cappuccino habe, baten wir Jeff, uns ein Kaffeehaus zu zeigen, wo beides in entsprechender Qualität zu haben wäre. Denn der übliche Kaffe in Amerika, das muss man wissen, ist wohl eher ein schwarzes, dünnflüssiges Gebräu, das unsere Qualitätsansprüche für den Kick am Morgen nicht erfüllte. Jeff führte uns zu einem Starbucks Kaffehaus, wo Koffein in ausreichender Konzentration käuflich zu erwerben stand.

Als wir ein bisschen über uns erzählt hatten, erwähnte Robert, dass er noch ein paar Pflanzen für die Homöopathie suche: Jeff spitzte die Ohren und rief umgehend seine Freundin an, die Botanikerin ist.

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Auf ihre Empfehlung fuhren wir etwa 45 Minuten nach Rancho St. Ana in Claremont, wo es einen wunderschönen und sehr Natur nahen botanischen Garten gibt. Es ist zwar nicht ganz einfach, eine bestimmte Spezies zu finden, aber wir besorgten uns eine kleine Karte des Gartens und begannen die Erforschung des weitläufigen Geländes auf eigene Faust.

Am Weg trafen wir einige ältere Damen, die sich gärtnerisch betätigten. Sie erzählten uns von einem äußerst ungewöhnlichen Baum – dem sogenannten Boojum Baum – den wir unbedingt sehen müssten. Nach einem kurzen Blick auf unsere Karte trabten wir sofort los. Wir erkannten bald, dass die auf der Karte eingezeichneten Standorte sich nicht leicht in der Realität finden ließen. Es gab eine große Anzahl verwundener Pfade und Kreuzungen. Wir waren alle sehr verwirrt. Einmal hörte Jeff das Rauschen eines Baches im Hintergrund, das sich bei näherer Analyse als Hintergrundlärm einer entfernten Autobahn enpuppte.

Ich schätze wir waren mehr als eine Stunde auf der Suche nach dem scheuen Boojum Baum, ohne in jemals angetroffen zu haben. Hier sieht man Robert und Jeff, wie sie kritisch die Pflanzen entlang des Pfades betrachten, um sich nur ja kein Anzeichen des Boojum Baumes entgehen zu lassen.

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Nach ungefähr einer Stunde traten leichte Zweifel in uns auf, ob denn dieser Boojum Baum nicht eine Erfindung zur Irreführung leichtgläubiger Touristen sein könnte. Obwohl uns der Boojum Baum entging, fand Robert doch drei interessante Spezies, die er für seine homöopathische Arzneiherstellung gut gebrauchen konnte.

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(Wieder im Hotel angekommen, habe ich natürlich sofort den Boojum Baum im Internet gesucht – und auch tatsächlich gefunden. Er ist auf der Baja Halbinsel heimisch und ähnelt einer Kreuzung aus Baum und Kaktus.)

Nach dem Park führte Jeff uns zu seinen zwei „Damen“, zwei wunderschöne Stuten.

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Wenn man nicht weiß, dass es sich hierbei um Pferde handelt, könnte man meinen, Jeff verdingt sich seinen Unterhalt als Zuhälter. Aber in Wirklichkeit ist Jeff ein professioneller Imker und Bienenzüchter. Er schenkte uns einige Gläser seines Zitrushonigs. Ich denke, dass ich eines davon wohl morgen zum Frühstück kosten werden.

Danach fuhren wir auf die Insel Balboa, von wo aus wir die Fähre zur gleichnamigen Halbinsel nahmen. Ein wunderschöner kurzer Trip quer über den Hafen.

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Bevor wir dann ins Hotel zurückkehrten, mussten wir unbedingt noch bei Aircraft Spruce vorbei schauen. Das ist ein einzigartiges Geschäft, das es wohl nur in Amerika gibt und geben kann. Es handelt sich dabei um eine riesige Halle, in der es alles Erdenkliche zum Bau eines Flugzeuges käuflich zu erwerben gibt. Man kann dort mit einem leeren Einkaufswagen hinein fahren und kommt mit einem Flugzeug wieder heraus. Von der kleinsten Schraube bis zu den verschiedensten Flugzeugmotoren gibt’s dort alles! Ich hatte ein Gefühl wie ein Kind im Spielzeugladen. So gegen 18:30 Uhr waren wir wieder im Hotel, und ich hatte noch nicht einmal mit dem Reisebericht vom Vortag begonnen. Es wurde ein späte Nacht....

Herzlichen Dank an Jeff, dass er sich die Zeit genommen hat und uns einen ganzen Tag die Gegend zeigte. Wir werden morgen nach San Diego weiter fliegen und den heutigen Tag für all die geruhsamen Tätigkeiten verwenden, die wir eigentlich gestern machen wollten.

– Robert & Chris.