Tag 12 – Quer über Kansas

Robert und ich saßen wie gebannt vor den verschiedenen Wetterberichten, die wir über das Internet in unserem Hotelzimmer verfügbar hatten. Die Wolkenuntergrenze in Salina war 700 Fuß, um 300 Fuß zu wenig um legal losfliegen zu können. Und anders als legal ging´s leider nicht, das Salina ein relativ großer Flughafen mit Kontrollturm ist. Die Vorhersage hatte besseres Wetter versprochen, das sich langsam von Westen her in Richtung auf unser Hotelzimmer und den Flugplatz zubewegen würde. Nur 100 Meilen weiter westlich schien bereits die Sonne. Es war zum aus der Haut Fahren!

Endlich, kurz vor 11 Uhr, kam dann die erlösende Nachricht: die Wolkenuntergrenze lag jetzt beim gesetzlichen Minimum von 1000 Fuß mit einer Bodensicht von 5 km. Nichts über das man Freudensprünge hätte aufführen können, aber gut genug für zwei wagemutige Gyropiloten mit wenig Sitzfleisch. Wir sprangen also auf, brausten zum Flugplatz, machten unsere Gyros fertig.

Hier ist Robert im Gyro, bereit „Propeller klar!“ zu rufen und Gas zu geben.

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Wir kratzten ein bisschen an den Wolken, als wir unseren Weg nach Westen nahmen, aber die Situation besserte sich allmählich. Als wir unsere Aufmerksamkeit dann wieder etwas mehr auf die Instrumente im Cockpit richteten, fiel uns auf, dass sich unsere Fahrtenmesser eigenartig benahmen: sie waren zwischen 150 und 180 km/h stecken geblieben. Wenn die Anzeige gestimmt hätte, wäre das Grund zur Freude gewesen; leider vermuteten wir aber eher Wasser in der Pitotleitung als einen plötzlichen Energieanfall unserer Motoren. Na ja, macht auch nichts. Der Vorteil eines offenen Cockpits ist ja auch, dass man die Geschwindigkeit mit mehr als nur einem Sinn wahrnemen kann. Also brachen wir nicht in Schweiß aus sondern warteten einfach, bis die Leitung wieder ausgetrocknet war.

Die Landschaft unter uns wechselte von Feldern zu Wiesen und Prärieweiden mit sanften, rollenden Hügeln.

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Bald landeten wir in Hays, wo wir nach einer Tasse heißen Kaffees (ja, es war kalt in der Luft!) wieder starteten. Nach ca. 1:30 Stunden erreichten wir Colby. Dort hatte uns Larry Nicholson, ein „virtueller“ Bekannter aus dem Gyrokopterforum, bereits angemeldet. Eine gruppe freundlicher, neugieriger Leute grüßte uns und begann sofort Fragen zu unseren Gyros zu stellen, die wir möglichst wahrheitsgetreu zu beantworten versuchten. Nach dem Auftanken gab´s dann ein Gruppenfoto.

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An der dritten Stelle von rechts steht Ken Bixemann, ein Agrarpilot seit 35 Jahren. Er fliegt ein Spezialflugzeug mit 925 PS und 2000 Litern Spritzflüssigkeit mit 150 km/h etwa 3 Meter über dem Boden.

Von Colby an war das Wetter dann wirklich herrlich schön, mit einem riesigen blauen Himmel über uns...

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…und grünen Wiesen unter uns.

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Besonders interessant fanden wir diese runden Bewässerungsflächen, die den Boden wie eine Quiltdecke aussehen lassen.

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Wie übermütige Kinder genossen Robert und ich die Landschaft im Tiefflug. Wir brausten mit 130 km/h nur wenige Meter über die Langschaft. Hier ist zB. Ein Farmhaus, das für diese Gegend typisch ist. Solche Häuser sind, verstreut über die Landschaft, alle paar Meilen anzutreffen. Ein ziemlich einsames Dasein, stelle ich mir vor. Relativ häufig trafen wir auch Ölpumpen an, denn es gibt in Kansas Erdölvorkommen, die mit lauter kleinen Pumpstationen gefördert werden.

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Schließlich bemerkten wir, dass wir mittlerweile in einer Höhe von 7000 Fuß flogen mussten, um nur 2000 Fuß über Boden zu bleiben. Wir hatten die Grenze nach Colorado überflogen und das Land hatte sich bis dorthin stetig etwas gehoben. Wir landeten in Colorado Springs East, einem Flugplatz auf ca. 2100 Meter Seehöhe, wo uns bereits Todd und Dawn erwarteten. Hier sind die beiden wie sie am Gyro posieren:

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Todds Spezialität ist es, den Motor von Schneemobilen (120 PS Viertakter mit Einspritzung) auszubauen und in Gyros einzubauen. Er kann das mittlerweile in Windeseile und stürzt sich wie ein Piranha darauf. Hier ist ein gebrauchtes Schneemobil:

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Und hier ist es nach der Aktion:

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Wir fuhren dann zu viert zum Steakessen, wo wir am Weg einen Berühmten Gipfel der Rocky Mountains sahen: Pike´s Peak. Robert und ich akzeptierten die Herausforderung. Morgen würde es in die Rockies gehen.

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– Robert & Chris.