Infektionen von Christa Gebhardt / Jürgen Hansel

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Mit der Entwicklung von Impfstoffen und Antibiotika hat die naturwissenschaftliche Medizin vielen Seuchen den Schrecken genommen, die Menschheit ist dadurch gesünder geworden, die Lebenserwartung weltweit erheblich gestiegen. Hat die Homöopathie da überhaupt noch einen Platz in der Behandlung von Infektionskrankheiten? Die Fallbeispiele in dieser Ausgabe von SPEKTRUM geben eine klare Antwort auf diese provokative Frage. Sie stehen für viele PatientInnen, denen mit Antibiotika alleine nicht geholfen ist. Wenn Entzündungen der Nebenhöhlen, der Bronchien oder der Blase trotz zahlreicher antibiotischer Behandlungen immer wiederkehren, ist eine andere therapeutische Strategie gefragt.

 

Typische Indikationen sind chronische Sinusitis, rezidivierende Harnwegsinfekte und Virusinfekte. Karim Adal und Heiner Frei schildern Fälle mit einer langen Leidensgeschichte frustrierender Behandlungen mit Antibiotika, Kortikoiden, Antihistaminika und sogar Operationen, computertomografisch dokumentiert. Bei Virusinfekten spielt die gezielte Stärkung der Lebenskraft und damit des Immunsystems mangels Alternativen eine besonders wichtige Rolle. Für das humane Papillomavirus zeigt die Gynäkologin Ute Bullemer, dass unter der Behandlung mit homöopathischen Sykosemitteln sich sogar pathologische Zervixabstriche mit Dysplasien normalisieren können. Ähnlich eindrucksvoll sind die Behandlungserfolge der indischen Autoren von der homöopathischen Akademie „The Other Song“ in Mumbai bei Infektionen durch Herpes-Viren.

 

Gerade in den Ländern der Dritten Welt wird die Homöopathie auch bei infektiösen Krankheiten eingesetzt, die in Europa ausschließlich antibiotisch behandelt werden. Das gilt in Indien zum Beispiel für die Tuberkulose, die – wie in der Kasuistik von Dinesh Chauhan – häufig durch multiresistente Tuberkelbakterien hervorgerufen wird. Vergleichbar mit der Tuberkulose in Indien, aber im Ausmaß noch größer, sind die Probleme mit dem HIV-Virus in Afrika. Auch dort sammelt man Erfahrungen mit der Homöopathie. In unserer aktuellen Ausgabe berichtet Jan Scholten über seine Pilotstudie bei AIDS-Patienten in Afrika mit einem homöopathischen Komplexmittel, das in vielen Fällen zusätzlich zu antiretroviralen Medikamenten eingesetzt wurde. Ein deutlicher Anstieg der Lebenskraft war mit einem auffälligen Rückgang opportunistischer Infektionen verbunden.

 

Während heutzutage Homöopathen vielfach die Kompetenz und die Berechtigung zur Behandlung von Seuchen wie TBC oder AIDS abgesprochen wird, waren es gerade die Heilerfolge bei einer ebenso tödlichen Seuche, der Cholera, die der Homöopathie im 19. Jahrhundert zum Durchbruch verhalfen. Wir nehmen diesen Aspekt der Medizingeschichte zum Anlass, um für ein komplementäres Miteinander von Schulmedizin und Homöopathie in der Seuchentherapie zu plädieren. Mit dem bereits von Hahnemann beschriebenen Genius epidemicus haben wir die Möglichkeit, bei akuten Ausbrüchen von Infektionskrankheiten frühzeitig gezielt auf die Abwehrkräfte der betroffenen Patienten einzuwirken. Franz Swoboda diskutiert an seinen Erfahrungen mit Antimonium tartaricum und der Mykoplasmen-Nosode Nutzen und Risiken in der Anwendung des Genius epidemicus. Im besten Fall kann uns dieser sogar dazu verhelfen, endlich das Simile für einen chronisch kranken Patienten zu finden. Aber auch ohne solche Glücksfälle gebührt der Homöopathie ein fester Platz in der Therapie akuter wie chronischer Infekte.

 

Die Themen:

Karim Adal: Ich hatte kein Morgen mehr - Calcium carbonicum bei therapieresistenter Sinusitis chronica

 

Heiner Frei: Polare Symptome und Simile - Computertomographisch dokumentierte Wirkung der Homöopathie im Fall einer chronischen Sinusitis

 

Ulirike Schuller-Schreib: Drinnen ist das Weiche - Venus mercenaria bei rezidivierender Bronchitis

 

Trisha Curtis: Gemeinsam sind wir stark - Populus tremuloides bei rezidivierenden Harnwegsinfekten

 

Dietmar Payrhuber: Heilende Information - Therapieresistente Infektionen homöopathisch behandelt

 

Ute Bullemer: Feigwarzen oder Krebs - HPV-Infektionen und die Therapie der erworbenen Sykose

 

Akademie The Other Song: P. Dhruv, G. Gaikwad, A. Hede, R. Sankaran, D. Shah: Nervende Bläschen - Herpesinfektionen individuell behandeln

 

Franz Swoboda: Eine zähe Geschichte - Antimonium tartaricum und Mykoplasmen-Nosode – eine Epidemie, zwei Freunde

 

Jürgen Hansel: Globuli und Flüssigkeit statt Aderlass - Homöopathische Behandlung der Cholera

 

Jan Scholten: Wieder unabhängig trotz HIV - Iquilai – adiuvante homöopathische Behandlung von AIDS-Patienten in Kenia

 

Dinesh Chauhan: Meister der Camouflage - Chamaeleon als personotrope Arznei in einem Fall von Lymphknotentuberkulose

 

Kate Birch: Verwirrung des Immunsystems - Nosoden-Komplex bei Impfschäden

 

 

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