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Tanghinia venenifera

Tanghinia venenifera
Arzneimittelbild von Robert Müntz

(T. madagascariensis DU PETIT-THOUAR und PER., Cerbera tanghinia HOOK; nach HPUS 64 auch C. lactaria, C. laurifolia, Tanghinia veneniflua, Tanghin, Tanquen, Madagascar poison nut)
Apocynaceae - Plumerioideae - Cerebrae

 

Habitus:
kleiner Baum, endemisch auf Madagaskar vorkommend

Beschreibung:
Die Frucht des Baumes ist oval, ellipsoid, 5 bis 8 cm lang, hat eine glatte violette Haut mit grünlichem Schimmer und enthält einen harten Samen, der von einer dicken, faserigen Schicht eingehüllt ist. Öffnet man den Samen, so findet man im Inneren den gelbweißen, etwa 15mm langen Keimling, umgeben von einer hellbraunen, sehr leichten und etwa 1mm starken Faserschicht. Der Keimling wird von der Faserschicht durch ein sehr dünnes, durchscheinendes Häutchen getrennt.

Geschichte der Tanghinia venenifera:
Der Same wurde zu Zeiten der Königin Ranavola I. als Beweismittel für Schuld oder Unschuld eines Angeklagten verwendet. Dazu ein Auszug des Reiseberichtes der 1797 in Wien geborenen Ida Pfeiffer von ihrer Madagaskarreise im Jahre 1855: „Das Tanguien (Vergiftung) wird sehr häufig und über Leute jeden Standes, über den Hochadel wie über die Sklaven verhängt; es genügt dazu der bloßen Beschuldigung irgend eines Verbrechens. Jedermann kann den Ankläger machen; er braucht keine Beweise vorzubringen. Das einzige, was er zu tun hat, ist 28 ½ Thaler zu hinterlegen. Dem Beschuldigten wird nicht erlaubt, sich zu verteidigen; er muß sich der Giftprobe unterwerfen. Kommt er mit dem Leben davon, so gibt man ihm einen Drittel des hinterlegten Geldes, das zweite Drittel gehört der Königen, und das dritte wird dem Ankläger zurückgegeben. Stirbt der Beschuldigte, so erhält der Ankläger sein Geld zurück, weil in diesem Falle seine Anklage als erwiesen betrachtet wird.

Die Vergiftung geschieht auf folgende Art: das Gift stammt aus dem Kern einer Frucht, welche die Größe eines Pfirsichs hat und auf dem Baum Tanquinia veneniflora wächst. Der Lamp-tanguine (so heißt der Mann, der das Gift eingibt) bestimmt den Tag, an dem der Verurteilte es einzunehmen hat. er darf schon 48 Stunden vor dem festgesetzten Tag nur sehr wenig, und in den letzten 24 Stunden gar keine Nahrung zu sich nehmen. Seine Verwandten begleiten ihn zum Giftmischer. Hier muß sich der Angeklagt entkleiden und schwören, zu keiner Zauberei Zuflucht genommen zu haben. Der Lampi-tanguine schabt dann mit einem Messer so viel Pulver vom Kern, wie er für nötig hält. ‚Bevor er dem Beschuldigten das Gift eingibt, fragt er ihn, ob er sein Verbrechen eingestehen wolle, was dieser jedoch nie tut, da er das Gift dennoch einnehmen müßte. Der Lampi-tanguine legt das Gift auf drei Stückchen Haut, die aus dem Rücken eines fetten Huhnes geschnitten und ungefähr zollgroß sind, rollt sie zusammen und heißt den Beschuldigten, sie zu schlucken.

In früheren Zeiten starben beinahe alle, die dieses Gift nahmen, unter den heftigsten Schmerzen und Zuckungen; seit ungefähr zehn Jahren ist aber den jenen erlaubt, die nicht von der Königin selbst zum Tanguin verurteilt werden, folgendes Mittel dagegen zu verwenden: Sobald der Beschuldigte das Gift eingenommen hat, geben ihm die Verwandten Reiswasser in solcher Menge zu trinken, daß oft der ganze Körper

anschwillt, wodurch gewöhnlich ein schnelles, heftiges Erbrechen bewirkt wird. Hat der Vergiftete das Glück, nicht nur das Gift, sondern auch die drei Häutchen - und zwar letztere unversehrt - zu erbrechen, so wird er für schuldlos erklärt und seine Verwandten bringen ihn in größtem Triumphe unter Jubel und Gesang nach Hause. Bleibt aber eines der Häutchen zurück oder ist es beschädigt, so rettet er das Leben nicht - er wird in diesem Fall durch die Lanze oder eine andere Art getötet." (1)

Bemerkenswert fand ich bei meiner kürzlichen Reise nach Madagaskar, dass auf sämtlichen Gemüse- und Kräutermärkten dieser Same unter der Bezeichnung Tangena bekannt und oft auch zu kaufen war, dass man mich aber nie über seinen Gebrauch bzw. Bedeutung aufklären konnte. Offenbar hat dieser Same auch heute noch große symbolhafte Bedeutung, das Wort Tanguin hat in der Landessprache Malagasy neben „Gift" auch die Bedeutung von „Schuld/Unschuld prüfen".

 

Inhaltsstoffe:

  • in dem Samen ~ 0,3% Digitaloide, deren Zuckerkomponente aus Thevetose mit oder ohne 1 oder 2 Mol Glucose besteht.
  • Tanghinosid (Thanghinigenin - Acetyl-thevetose + 2 Glucose)
  • Tanghinin (Tanghinigenin + Acetyl-thevetose)
  • Neotanghiferin
  • Ein Gemisch der beiden letzten wurde früher als Tangiferin bezeichnet, DL 0.944mg/kg Katze
  • Desacetyltanghinin (Pseudotanghinin)
  • (Tanghinin + L-Thevetose)
  • Veneniferin (Cerberin, Monoacetylneriifolin)
  • (Digitoxin + Acetyl-thevetose)
  • fettes Öl

 

Wirkung:

Alkoholische Extrakte der Früchte, Schalen oder Rinde zeigen eine starke digitalisähnliche Wirkung, deren inotroper Effekt ausgeprägter als der von Ouabain ist. Injektionen von subletalen Dosen in den Oberschenkel bewirken bei anaesthesierten Hunden längere Erhöhung des peripheren Widerstandes ohne Wirkung auf das Herz. Cerberin zeigt oral und intravenös eine starke Herzwirksamkeit, die schneller einsetzt als beim Digitoxin. (3)

 

Tanghinia venenifera in der Homöopathie

Arzneigrundstoff in der Homöopathie: Verreibung der Samen

In der Homöopathie findet man bei Clarke´s „Dictionary of Practical Materia Medica" und bei Allen´s „Encyclopedia of Pure Materia Medica" Symptome ähnlich dem Verlauf einer Tanghinia - Vergiftung (4):

 

Gemüt

  • Erbrechen wird von Angst begleitet
  • Obwohl der Verstand meist klar ist, kommt es gelegentlich zum Delirium.
  • Der Patient bleibt bis zum Ende bei Bewußtsein, ohne Stupor oder Delirium
  • Liegt wie im Schlaf da und antwortet, wenn er geweckt wird, wie schläfrig, fällt dann in den früheren Zustand zurück.
  • Stupor

Kopf

  • Fühlt sich schwindelig; taumelt, wenn er zu gehen versucht, kann das eigene Gewicht nicht tragen und stürzt hilflos und gelähmt zu Boden.

Mund

  • Ein eigentümliches taubes Prickeln im Mund und im Rachen.

Magen

  • Übelkeit, mit wiederholtem, heftigem, qualvollem Erbrechen; erst wird der Mageninhalt erbrochen, dann Galle und Schleim

Stuhl und Anus

  • Purgieren und Miktion, mit mehr oder weniger großem Drang; Purgieren ist ein schlechtes Zeichen und umso schlechter, je eiliger der Stuhldrang ist.

Obere Extremitäten

  • Ein eigentümliches taubes Prickeln, aber besonders an den Händen

Allgemeines

  • Ein eigentümliches taubes Prickeln am ganzen Körper, besonders in den Händen.
  • Das Erbrechen wird von einem Gefühl großer Schwäche und Angst begleitet.
  • Dem Tod gehen spasmodische Bewegungen der Finger und Zehen voraus. (2)

 

Quellen

1 Ida Pfeiffer: Verschwörung im Regenwald; Lenos Verlag 1999, S.177ff
2 John Henry Clarke: Dictionary of Practical Materia Medica, Dr. Grohmann GmbH 1996, Bd 10, S.5795
3 Hagers Handbuch der Pharm. Praxis, Springer Verlag, 4. Ausgabe, Bd 6, S.14
4 Zizia: The Last Word In Materia Medica