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Cypripedium parviflorum var. pubescens

Cypripedium parviflorum var. pubescens
Kasuistik
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Cypripedium calceolus var. pubescens - amerikanischer Frauenschuh - Orchidacae

Dieses Mittel ist relativ unbekannt und in der Fachliteratur kaum besprochen worden. Ich bin beim Repertorisieren auf dieses mir bis dahin unbekannte Mittel gestoßen und habe es - wie wohl jeder Homöopath, der sich auf ein sehr kleines Mittel einlässt - mit einem etwas unwohlen Gefühl gegeben. Dieses Gefühl war, wie sich später herausstellte, völlig unnötig. Man sollte sich doch selbst ruhig mehr vertrauen, wenn man das "Similia" gefunden zu haben glaubt.

Weil es zu diesem Mittel keine Stellungnahmen unserer großen Meister gibt, werde ich dieses Mittel einmal ganz anders vorstellen. Zunächst stelle ich den Fall dar und gehe dann auf das Mittel aus rein persönlicher Erfahrung ein:

 

Der Fall

Eine Patientin erzählt mir von ihrer sechsjährigen Tochter. Diese sei in der Schule verhaltensauffällig geworden. Daheim wie in der Schule sprüht das Kind vor Aktivität und gilt als "hyperaktiv". Nachts wacht sie auf und spielt, als ob es heller Tag wäre. Auch zu gewalttätigen Ausbrüchen kommt es häufiger. Die Mutter kann mit dem Kind nirgendwo mehr zu Besuch kommen, weil es "die Umgebung terrorisiert".

Das Mädchen hat unregelmäßig auftretende juckende Bläschen auf dem Handrücken. Es spricht viel mit sich selbst und denkt sich unglaubliche Geschichten aus. Sie benutzt "ordinäre Kraftausdrücke", die überhaupt nicht ihrem Alter entsprechen.

Ein paar Tage später kommen beide, Mutter und Tochter, zur Anamnese. Das mir zuvor quasi "als Monster" geschilderte Kind zeigt sich ausgesprochen schüchtern und sehr wohlerzogen. Nach einigen Minuten ist zwischen uns "das Eis gebrochen" und die Kleine erzählt überraschend geordnet von sich. Sie hat einen deutlichen Reifevorsprung. Sie schildert wie sie nachts aufwacht. Es sei so, dass sie dann immer den gleichen Traum hat und aus diesem erschreckt aufwacht. In diesem Traum wird etwas wahr, was die Großmutter ihr einmal erzählt hat. Dabei geht es darum, dass der kleine Bruder des Mädchens beim Baden ertrinkt, weil sie zu weit mit ihm ins Wasser gegangen ist und ein Strudel beide in die Tiefe zieht. Die Großmutter hatte ausführlich von Strudeln erzählt, damit das Mädchen nicht so weit hinausschwimmt. Das Mädchen erzählt mir, dass es durch diesen Traum so erschreckt, dass es ganz hellwach ist und dann vor lauter Langeweile anfängt, zu spielen.

Synthesis Seite 1462 "Erwachen wie durch Schreck", Synthesis Seite 158 "Verlangen nachts, zu spielen"

Die weitere Anamnese ergibt auf der körperlichen Ebene nur ein Symptom - den juckenden Bläschenausschlag auf den Händen. In den gängigen Rubriken tauchten viele Mittel auf, die auch in anderer Weise als "Simile" gepasst hätten, aber eben nicht als Similia. In einem "Mini-Repertorium" der DHU fand ich dann mehr zu Cypripedium. Hier stand, dass die juckenden Hautausschläge den von Rhus-tox ähneln. Außerdem hat es demnach eine coffeinartige Wirkung auf Geist und Gemüt. Ruhelosigkeit des Körpers und Unruhe in den Extremitäten ruft dieses Mittel gleichfalls hervor. Die kleine Broschüre der DHU ordnet die Organspezifität dem ZNS und dem psychosensorischem Zentrum zu. Nachts aufwachende Kinder, die lebhaft und vergnügt im Bett spielen gehören demnach auch zu Cypripedium.

Rhus-tox war mir beim Repertorisieren häufig begegnet. In der "Praxisbezogenen Arzneimittellehre" von M. Wiesenauer und M. Elies stand zu Cypripedium dann mehr. Hier wurde nahezu alles genannt, was die Anamnese ergab. Im Synthesis wurde ich nicht weiter fündig.

Nach Wiesenauer und Elies ist die Leitsymptomatik von Cypripedium wie folgt:

Schlaflosigkeit, auch infolge geistiger Überarbeitung, ständiger Drang zu sprechen, Ruhelosigkeit des Körpers, das Kind spielt nachts, juckende, bläschenförmige Hautausschläge

Wiesenauer und Elies sehen den Bezug von Cypripedium zum ZNS und zur Haut.

Nach ihrer Meinung sind die Indikationen von Cypripedium bei Hyperaktivität von Kindern und bei Vergiftungen durch Rhus-tox.

Was soll man also tun, wenn das Repertorium einem bei der Mittelwahl nicht hilft, sondern Mittel nennt, die jedes ein Symptom aber nicht die Symptomenbreite abdecken? Einem dieser Mittel orientiert am schwersten Symptom den Vorzug geben? Oder sich einmal auf die Erfahrung von homöopathischen Kollegen verlassen?

Ich tat letzteres und hatte damit Erfolg. Eine einmalige Gabe Cypripedium in der Potenz C 200 sorgte innerhalb von zwei Tagen dafür, dass das Mädchen nachts durchschlief und deutlich ruhiger wurde. Zu gewalttätigen Ausbrüchen ist es bis heute nicht mehr gekommen. Die juckenden Bläschenausschläge sind nicht mehr aufgetreten.

Vier Wochen nachdem das kleine Mädchen seine Gabe Cypripedium erhielt, unternahm ich eine kleine Arzneimittelprüfung mit diesem Mittel. Dabei nahm ich C 30, C 200 und C 1000 ein und erlebte dabei folgendes:

Ruhelosigkeit, als ob ich eine Kanne Kaffee getrunken hätte

häufiges, schreckhaftes Erwachen nachts, ohne Traumerinnerung, das Erwachen geschah blitzschnell, danach war ich so frisch, dass an ein Einschlafen nicht zu denken war (um zur Ruhe zu kommen, spielte ich Computerspiele)

auf den Unterarmen bildeten sich kleine, wässrige Pusteln, die stark juckten

Als sich diese Symptome nach vier Wochen weiterhin als stabil erwiesen und überhaupt nicht abklangen, antidotierte ich mit Kampfer.