Homöopathie für die Eutergesundheit 

Erkrankungen des Euters gehören zu den häufigsten Milchvieherkrankungen. Wie man diese auch homöopathisch behandeln kann, zeigt Agraringeneurin Bettina Gebhard, in ihrem neusten Buch „Gesunde Euter durch Homöopathie“, erschienen in der AgrarPraxisKompakt Reihe des DLG-Verlag.

Wir von der Redaktion des Wissensportals www.kuhgesundheit.de stellten Frau Gebhard einige Fragen zum Thema Homöopathie und Euter.

Lesen Sie hier eine Aufzeichnung des Interviews.

Redaktion:
Frau Gebhard, Infektionen des Euters verlaufen häufig sehr schnell und es besteht dann sofortiger Handlungsbedarf. Oder wir kennen auch den chronischen Verlauf, bei dem man erst über eine Behandlung beim Trockenstellen nachdenkt. Wo sehen Sie denn Chancen für eine homöopathische Behandlung der Euterentzündung – bei den akuten oder bei den chronischen Fällen?

Bettina Gebhard:
Die akuten Krankheiten sind sehr viel einfacher homöopathisch zu behandeln. Einerseits ist die Auswahl der in Frage kommenden homöopathischen Mittel überschaubarer und andererseits ist eine Reaktion auf das Mittel sehr viel deutlicher und schneller zu erwarten. Chronische Fälle verlangen oft mehrere verschiedene Mittel hintereinander und der gesamte Prozess kann länger dauern. Zudem ist es schwieriger, die Ursacher herauszufinden. Aber auch das ist nach einiger Zeit der Übung durchaus zu schaffen.

Redaktion:
Auch wenn viele Landwirte und auch Tierärzte nicht mit der Homöopathie arbeiten – Phytolacca ist ein homöopathisches Heilmittel, was viele Rinderleute in Zusammenhang mit Eutererkrankungen bringen. Frau Gebhard, beschreiben Sie uns doch bitte die Wirkweise und die Anwendung von Phytolacca als Fachfrau auf diesem Gebiet.

Bettina Gebhard:
Phytolacca nimmt als "Drüsenmittel" bei der Euterbehandlung eine zentrale Rolle ein. In sehr leichten Fällen ist es oft schon alleine ausreichend. Es kann jedoch auch sehr oft zusätzlich zu einem anderen Mittel (dann in einer anderen Potenz) gegeben werden, was in vielen Fällen zu einem schnelleren Erfolg führt.

Redaktion:
Wir kennen es von der Zahnpasta. Wenn wir Menschen homöopathisch behandelt werden, sollten wir zu einer Zahnpasta greifen, die keine ätherische Öle enthält. Bei Euterentzündungen sind kühlende Eutersalben mit Campher oder auch Pfefferminz häufiger im Einsatz. Muss ich die dann auch weglassen, wenn ich die Kühe homöopathisch behandele? Kennen Sie dann empfehlenswerte Alternativen?

Bettina Gebhard:
Pfefferminz ist weniger problematisch als Campher. Campher ist das bekannteste Antidot, das fast alle anderen Mittel aushebelt. Hier muss man sich entscheiden: Homöopathie oder Salbe. Alternativen sind Quark, essigsaure Tonerde und verschiedene im Handel angebotene Salben.

Redaktion:
Bei dem Thema Euter denke ich natürlich auch gleich ans Trockenstellen. Können in dem Zusammenhang auch homöopathische Mittel angewandt werden?

Bettina Gebhard:
Natürlich. Zum einen um den Milchrückgang zu unterstützen, zum anderen um bekannte Probleme zu verhindern. Zu diesem Thema, mit Blick auf die Antibiotika-Reduzierung gibt es vom Thünen-Institut einen "Entscheidungsbaum", der bei der Entscheidungsfindung, ob ohne Antibiotika trockengestellt werden kann oder sogar muss, eine große Hilfe sein kann. Eine mögliche Alternative, die sich bietet, ist die Homöopathie. Welche homöopathischen Mittel dann im Einzelfall Anwendung finden, muss nach den Regeln der Homöopathie herausgefunden werden. Hier braucht es eine genaue Anamnese und Beobachtung, damit das passende Mittel gefunden werden kann.

Redaktion:
Frau Gebhard, wie darf ich arzneimittelrechtlich gesehen als Landwirt homöopathische Mittel bei meinen Kühen anwenden?

Bettina Gebhard:
Zur Zeit müssen homöopathische Arzneimittel, die nicht ausdrücklich für Tiere ausgewiesen sind, vom Tierarzt umgewidmet werden, damit sie der Landwirt anwenden darf. Es gibt schon einige Kombinationsmittel unter anderem von Heel, Ziegler und Remedia. Bei den Einzelmitteln bietet bislang meines Wissens nur die Firma Remedia Homöopathie aus Österreich 36 Einzelmittel speziell für Tiere an.

Redaktion:
Vielen Dank für die Beantwortung der Fragen! Und – bleiben Sie gesund!

Bettina Gebhard:
Sehr gerne, danke! Das wünsche ich uns allen auch.

 

Die drei Bücher von Frau Gebhard über Homöopathie beim Rind (sie hat neben dem angesprochenen Buch über gesunde Euter beim Rind auch geschrieben: Gesunde Kälber durch Homöopathie sowie Homöopathische Arzneimittel für Rinder, alle drei erschienen im DLG Verlag) können Sie hier bestellen.

 

Quelle: Kristin Resch und das Team des Wissensportals www.kuhgesundheit.de

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