Forscher: Winzige Verunreinigung hat größeren Einfluss als gedacht


Utl.: Eine Atom Americium verändert laut TU-Forschern Kristallisationsverhalten von Hunderten Millionen Terbium-Atomen - Ergebnis hat unter Umständen Relevanz für Atom-Endlager 

Wien (APA) - Bisher glaubten die Chemiker, dass eine winzige Verunreinigung einen Stoff nicht verändert: Kochsalz bleibt Kochsalz, auch wenn es Spuren von Jod enthält. Anders jedoch beim radioaktiven Element Americium - ein einziges Atom davon kann die Kristallstruktur von Hunderten Millionen Terbium-Atomen verändern, berichtet ein deutsch-österreichisches Forscherteam im Fachjournal "Angewandte Chemie".

Man habe sich zunächst ein "eigenartiges" Kristallisationsverhalten von Terbium nicht erklären können, und wollte der Sache auf den Grund gehen, so Peter Weinberger vom Institut für Angewandte Synthesechemie der Technischen Universität (TU) Wien in einer Aussendung. Unter der Leitung von Georg Steinhauser von der Universität Hannover habe man schließlich eine winzige Verunreinigung mit dem Element Americium entdeckt. Dies sei nur möglich gewesen, weil Americium radioaktiv und somit leicht nachzuweisen ist. "Mit normalen analytisch-chemischen Messmethoden hätten wir eine Verunreinigung kaum wahrnehmen können", so Weinberger.

Ein Atom Americium würde ein paar Hundert Millionen Atome der "schweren Seltenen Erde" Terbium dahingehend verändern, dass sie sich wie eine "leichte Seltene Erde" verhält, erklären die Forscher. Sie kristallisieren auf einmal so, als wäre ihr Atomgewicht verringert.

Eine Substanzmenge, die man eigentlich nicht wahrnimmt, könne demnach "dramatische Auswirkungen auf ein Experiment haben". Doch nicht nur für Laborversuche, auch beim Anlegen von Endlagern für radioaktive Abfälle sehen die Forscher Konsequenzen ihrer Forschungsergebnisse. Bisher habe man bei deren Konzeption zwar untersucht, wie sich die Umweltbedingungen auf das Verhalten der radioaktiven Abfälle auswirken, aber nicht, ob die Abfälle unter bestimmten Bedingungen ihre Umgebung verändern können. Dies solle man künftig tun, um Endlager "ein gutes Stück" sicherer zu gestalten.


Quelle:
APA0238   
2017-08-21/13:09

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