Tag 3 – Der erste Flug

Viel ist an diesem Tag passiert und ich muss aufpassen, dass ich die Chronologie der Ereignisse nicht durcheinander bringe.

Nach unserer üblichen Weckzeit um 5 Uhr, planten wir den Tag, packten und bezahlten das Hotel. Dann fuhren wir nach Lexington, wo Robert um 8 Uhr einen Termin bei der FAA, der amerikanischen Flugbehörde hatte, um seinen amerikanischen Pilotenschein abzuholen. Ich wartete im Foyer des FAA Büros und hielt ihm die Daumen, dass alles klappt. Als Robert dann nach 45 Minuten endlich wieder zum Vorschein kam, war ich bereits leicht nervös geworden. Es war aber alles gut gegangen und Robert zeigte mir seine nagelneue Lizenz mit sichtlichem Stolz.

Dann fuhren wir zum Flugplatz und trafen dort Angelo um die widerspenstige Bremse zu reparieren und endlich zu fliegen. Wir schätzten, dass wir vielleicht 15-20 Minuten dazu benötigen würden. Endlich, nach 4 Stunden, hatten wir es geschafft, das Bremssystem zu entlüften und freuten uns wie Kinder darüber. Ich möchte die Details lieber vergessen, wie wir das geschafft hatten, aber wir verspritzten ungefähr einen Liter Bremsflüssigkeit über eine erstaunlich große Fläche, uns selbst eingeschlossen. Aber letztlich gilt: Ende gut alles gut und wir zogen uns an für einen kurzen Testflug nach Hampton für ein verspätetes Mittagessen.

Robert war ganz aufgeregt, seine exotische Helmkamera auszuprobieren, und zog damit ziemlich viele Blicke auf sich.

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Zusammen mit Angelo in seiner Cherokee starteten wir vonLawrence und flogen die ungefähr 20 Meilen nach Norden, gerade über die Grenze nach New Hampshire. Hier ist ein Blick auf den Atlantik in der Gegend von Plum Island.

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In Hampton hatten wir einen Sandwich mit gegrilltem Heilbutt, dann ging´s wieder zurück nach Lawrence. Schließlich wollten wir ja heute noch weiter fliegen. Es war ein großartiges Gefühl, unsere Gyros das erste mal in amerikanischer Luft zu fliegen, und sie schienen es zu genießen. Hier ein Blick auf Hampton aus der Luft.

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Zurück in Lawrenze machten wir uns gerade fertig für den ersten Abschnitt nach Saratoga Springs, als ein netter Herr zu uns kam und uns wegen der Gyros Löcher in den Bauch fragte. Er stellte sich als John vor und war selbst Pilot einer Cessna 150. Wir hatten gerade getankt und wollten zahlen, als wir erfuhren, dass John bereits für uns bezahlt hatte! Das war eine herzerwärmende Geste und wir mussten deshalb unbedingt ein Foto mit John machen.

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Ich rief danach noch den Meteorologen an und erfuhr, dass das Wetter kein Problem sein würde, bis auf die Temperaturen: es waren am Boden kalte 9°, und wir zogen deshalb alles an, was wir mit hatten: ich hatte ein T-Shirt, ein Sweatshirt, einen Pulli eine Vliesjacke und eine Windjacke sowie 2 Paar lange Hosen übereinander an. Leider hatte ich mich entschieden, keine Handschuhe mitzunehmen. Eine Entscheidung, die ich bei diesem Flug nach nur 10 Minuten bereuen sollte. Jedes Photo kostete mich Überwindung, da der kalte Wind auf unserer Flughöhe zwischen 0° und 3° hatte. Dennoch, ich hab´s auf mich genommen...

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Der Grenzfluss zwischen Vermont und New Hampshire:

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Ein Selbstportrait der anderen Art:

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Über den Berkshire Bergen flogen wir in 4000 Fuß bei eisigen 0°C. Warum gibt es eigentlich kein Gesetz, dass so kalte Temperaturen verbietet? Vielleicht unternimmt Obama ja etwas dagegen...

Nach ungefähr 2:30 Flugstunden trafen wir in Saratoga Springs ein, wo mich meinen alten Freund John Urbahn bereits beim Anflug am Funk begrüßte. John ist selbst ein fanatischer Flieger und besitzt 3 Flugzeuge (ein Segelflugzeug Libelle, ein Bower´s Fly Baby und eine RV4 mit Mazda Wankelmotor), von denen er die letzten beiden selbst gebaut hatte. Mit Stolz zeigte er uns die RV4:

03 John and his RV4.jpgEs war ungefähr 10 Uhr abends, als Robert und ich uns nicht mehr länger wach halten konnten. Schließlich waren wir bereits seit 5 auf den Beinen, und die Aufregungen des Tages verlangten ihren Tribut. Deswegen verschob ich das Schreiben des Reiseberichtes auf morgen.

Heute haben wir vor, uns Abdeckplanen für die Gyros zu basteln und nach Erie, Ohio, aufzubrechen. Das wird ein Flug von 4 Stunden, und wir hoffen, dass die Temperaturen bald wieder auf normale Höhen steigen.

 

Robert & Chris.