VOM HERAUSGEBER DES HAHNEMANNIAN MONTHLY:**

Ich möchte nicht Ihre Zeit und Geduld mit einer Mitteilung strapazieren, aber ich habe eine Anekdote zu einem der größten und gewissenhaftesten Nachfolger Hahnemanns zu bieten, dem kürzlich verstorbenen gelehrten, liebenswürdigen Dr. Dunham [1828-1877].

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Ich verdanke diese Tatsachen einer Dame, die zur gleichen Zeit in Newburgh lebte, zu der Dr. Dunham dort praktizierte und die eine seiner Patientinnen war. Er hatte die Angewohnheit, sehr früh aufzustehen. An bitterkalten Wintermorgen, als sich das Morgengrau im Osten zu röten begann, konnte er oft dabei beobachtet werden, wie er sich durch Seitenstraßen stahl - eingemummt, um sich vor dem Erkanntwerden ebenso zu schützen wie vor der Kälte, mit einem großen Einkaufskorb in der Hand, der angefüllt war mit Dingen, von denen sein großes und weises Herz wußte, daß sie den Armen und Kranken mangelten. Lange bevor die meisten Leute aufstanden, hatte der „gute Doktor", wie er zurecht genannt wurde, seinen Korb geleert und war zurück an seiner eigenen Feuerstelle, wo er fröhlich darüber scherzte, wie ungern er früh morgens aufstünde und an einem derart kalten Morgen hinausginge! Das war echte Nächstenliebe, wobei die rechte Hand nicht wußte, was die linke tat und man sagte, daß selbst Mrs. Dunham nicht immer von diesen wohltätigen Verdauungsspaziergängen wußte, und der Doktor selbst predigte allen Geheimhaltung, denen er auf diese Art unter die Arme griff.
Einmal besuchte er Mrs. -----, die ihm von einer armen Waschfrau berichtete, welche in großer Armut in ihrer Nähe in einer primitiven feuchten Hütte hauste und die gerade infolge Überarbeitung sehr krank darniederlag. Der Doktor machte den Vorschlag, daß Mrs. ----- ihn zu dem armseligen Wohnort der Kranken begleiten solle, dem sie glücklich zustimmte. Er befragte die kranke Frau sehr behutsam und bereitete ein Arzneimittel, wonach Mrs. ----- ihn dabei beobachtete, wie er in seiner Westentasche nestelte, aus der er unmittelbar ein umfangreiches Pulver herausholte, das er gewissenhaft beschriftete und mit den Worten hinterließ, daß erst eine Weile, nachdem er gegangen sei, Umschlag und Anweisungen geöffnet und gelesen werden dürften. Nachdem er fort war, wurde es geöffnet und es fand sich darin eine Fünf-Dollar-Note, sowie die Anweisung: „Kaufen Sie Brot und Fleisch und vertrauen Sie in Gott." Wahrlich, „von solchen ist des Himmels Königreich."
  „Dunhamite." * übersetzt von Stefan Reis.
** Robert J. McClatchey, M.D.

[aus: The Hahnemannian Monthly, Vol. 13, September 1877, p.100.]