Tag 4 – Sonnig und grün

Letzte Nacht sind Robert und ich nicht wirklich eingeschlafen sondern eher bewußtlos umgefallen. Man hätte uns wahrscheinlich ohne Probleme den Blinddarm entfernen können, ohne dass wir aufgewacht wären. Um 5 Uhr morgens waren wir allerdings, wie gewohnt, wach. Die Sonne war bereits aufgegangen und der Himmel klar. Wenn es jemals einen Tag gegeben hat, der zum Fliegen gedacht war, dann dieser. Alle anderen Hausbewohner (John, Deyanne und ihre 3 Kinder) schliefen noch fest, als Robert und ich bereits mit dem Tagewerk begannen. Da ich meine “Hausübung” gestern nicht gemacht hatte, schrieb ich gleich einmal den Reisebericht für den Vortag. Der Rest des Morgens ging mit Vorbereitungsarbeiten für die Tagesetappe drauf: die Route studieren, das GPS programmieren, Karten fürs Kniebrett vorbereiten, etc. Schließlich führte uns Deyanne in die Stadt, wo wir in einem Kaffeehaus Internetzugang hatten, so dass Robert den Reisebericht auf die Webseite hochladen konnte.

Ich hatte Deyanne und John seit über 10 Jahren nicht gesehen, und das Verabschieden war nach einem nur so kurzen Besuch schwer.

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Ein Taxi nahm uns mit zum Flugplatz, wo wir noch unsere Tanks füllten. Der nächste Tankstop war in Penn Yan (KPEO) geplant. Unsere Gyros freuten sich auch sichtlich über den bevorstehenden Flug, mindestens ebenso wie wir. Nachdem wir die anfänglichen Probleme beim Zusammenbauen in Lawrence behoben hatten, funktionierten sie perfekt und ohne weitere Probleme. Der Rotor drehte sich ruhig und ohne Vibrationen, der Motor lief gleichmäßig und alle Nadeln im Cockpit zeigten auf Grün. So stelle ich mir eine Qualitätsmaschine vor.

Die Wetterbedingungen waren genauso, wie man sich das nach Passieren einer Kaltfront vorstellt: kühle und trockene Luft, die dich einmal rund um den Globus schauen lässt. Die Landschaft war adrett und voller Schattierungen von üppigem Grün. Hier einige Eindrücke.

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Robert und ich plauderten auf der Luft-Luft Frequenz 123,025 MHz und flogen in einer sehr losen Formation zwischen 2000 und 4000 Fuß über Meeresspiegel. Wir konnten uns an der endlosen Weite von Grün, Hügeln und Seen nicht satt sehen, deswegen bevorzugten wir die größeren Höhen. Es schien, als ob wir die einzigen in der Luft waren, denn nur einmal ist uns noch metallischer Verkehr in der Form einer Cessna begegnet.

Penn Yan ist ein hübscher Flugplatz inmitten der Finger Lake Region im Bundesstaat New York. Die eigenartige länglicher Form der Seen dort gab ihr den Namen.

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Wir landeten in Penn Yan und tankten auch gleich. Dieser Abschnitt hatte 2:30 Stunden gedauert und wir legten eine kleine Pause ein.

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Ursprünglich wollten wir nach Eerie (KERI) fliegen, da diese Stadt einen Flughafen direkt am Eerie See hat. Aber John und Deyanne rieten uns davon ab und empfahlen uns statt dessen Dunkirk (KDKK). Als ich das der netten Dame im Flughafenbüro in Penn Yan erzählte, warnte sie uns vor den horrenden Hotelpreisen in Dunkirk. Mit gut 250 U$ pro Nacht muss man schon rechnen. Sie erzählte uns von Jamestown (KHJW), wo die Hotels noch leistbar wären. Wir beherzigten ihren Rat und brachen nach Jamestown auf.

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Am Weg waren wir einigermaßen überrascht, Skilifte mit dazugehörigen Pisten zu sehen, von denen eine noch stellenweise mit Schnee bedeckt war. Einige besonders interessante Objekte lockten uns aus unserer luftigen Höhe und wir brausten im Tiefflug darüber hinweg. So zB ein besonders schöner See, eingebetten zwischen den Hängen einiger Hügell, den wir in beide Richtungen im Tiefflug begutachteten. Leider haben wir dabei völlig auf das Fotografieren vergessen.

Als wir in Jamestown ankamen, grüßte uns dort ein einsamer Betriebsleiter namens Rob. Er war extrem freundlich und hilfsbereit. Ohne etws dafür zu verlangen, bot er uns einen Einstellplatz im Hangar an und überließ uns gratis ein Auto, um damit in die Stadt zu einem Hotel zu fahren. Das sollte sich einmal in Europa herumsprechen, denn diese zuvorkommende Art ist bei uns leider viel zu selten anzutreffen.

Im Hangar stach uns ein e kanadische CL-41 ins Auge, die 1961 gebaut und als Jet-Übungsmaschine in der kanadischen Luftwaffe eingesetzt worden war. Danach wurde sie bei Kunstflügen bemnützt und tat auch in der malaysischen Armee ihre Dienste.

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Eigentlich wollten wir ja behelfsmäßige Abdeckplanan für die Gyros basteln, aber da sie ohnehin unter Dach waren, verschoben wir diese unliebsame Tätigkeit auf morgen.

Morgen wollen wir als erstes die Planen machen und dann zum Eerie See fliegen, entlang dessen Ufer nach Südwesten und hoffentlich bis nach Mentone (C92), wo wir die Nacht verbringen.

Ich hoffe, dass die Anzeige unseres Flugpfades auch wirklich funktionert. Einige Leute sagen, dass sie nur ein blankes Rechteck ohne Karteninformation sehen können. Robert hat bereits seinen Programmierer verständigt, der das Problem hoffentlich bald beheben wird.

 

Bis morgen, – Rob & Chris.