Wettersorgen

An diesem Tag ging´s hauptsächlich um Entscheidungen treffen, wahrscheinlich die wichtigste Fähigkeit, die ein Pilot besitzen muss, nachdem er gelernt hat, das Flugzeug mit der richtigen Seite nach oben zu fliegen. Bereits gestern wussten wir, dass feuchte Luft von Osten in unsere Gegend strömt und sich ein Tiefdrucksystem von Westen her annähert. Das bedeutet gute Aussichten auf Regen, Gewitter und böigen Wind. Die Vorhersage von gestern hat uns nicht viel Mut aufs Weiterkommen gemacht. Heute morgen, allerdings, wirkte das Ganze besser als wir es uns vorgestellt hatten. Also sah ich mir das Wetter auch im Internet an uns sprach mit einem Meteorologen.

Das Ergebnis war, dass in St. Joseph (da waren wir gerade) die gen Westen ziehende feuchte Luft sic u ca. 14:00 Uhr „entzünden“ würde. In Hays (dort wollten wir hin), würde die Front gegen Mittag eintreffen und die Atmosphäre aufwühlen. Ich blickte also auf meine Uhr – es war 9:00 Uhr. Wenn wir es schaffen, um 10 Uhr in der Luft zu sein und wir genügend schnell fliegen, könnten wir eine brauchbare Strecke hinter uns bringen bevor es losgeht. Andererseits könnte das Wetter schon früher als geplant loslegen, dann würden es uns mitten auf der Strecke überraschen. Natürlich können wir fast überall landen, aber es macht beileibe keinen Spaß, pitschnass in einem matschigen Getreidefeld zu stehen – und das mit Gyro.

Nach reiflicher Überlegung und Diskussion zwischen uns beiden, entschlossen wir uns, ein kalkuliertes Risiko einzugehen und aufzubrechen. Wir verzichteten auf das Frühstück und machten uns reisefertig. John holte uns vom Hotel ab uns brachte uns direkt zu unseren Gyros. Wir machten den Vorflugscheck, zogen sie aus dem Hangar und bereiteten alles vor. Eula, Johns Frau, sagte, dass sie ein „Licht brennen lassen würde“, falls wir umkehren müssten.Ein letztes Winken und wir waren in der Luft.

In 2000 Fuß (ca. 650 Meter) Höhe sah das Ganze auch nicht viel einladender aus. Niedrige Wolkenuntergrenze und ziemlich schlechte Sicht. Auf der Habenseite hatten wir aber einen deutlichen Rückenwind zu verzeichnen, der kräftig anschob.

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Unsere zweite Sorge war der Treibstoff. Um dem Wetter davonzurennen hatten wir keine Zeit gehabt, Treibstoff zu organisieren und die Tanks randvoll zu füllen. Wir hatten noch Benzin für etwa 2 Stunden, und der erste Abschnitt bis nach Salina war nicht viel kürzer. Also mussten wir uns entscheiden zwischen schnell dem Wetter davonfliegen oder langsamer aber dafür Treibstoff sparender zu reisen. Aber die Wahl fiel uns da leicht: mit trockenen Tanks landen aus dem Himmel zu fallen ist einfach peinlicher als nass geregnet zu werden. Also landeten wir in Manhatten (im Bundesstaat Kansas, nicht der Stadtteil von New York) und füllten die Tanks bis zum Rand. Fünfzehn Minuten später waren wir bereits wieder in der Luft und die Wettersituation hatte sich zwischenzeitlich nicht verschlechtert – eher leicht gebessert. Aber wir wussten, dass es so sein würde, denn zwischen dem schlechten Wetter hinter und vor uns durften wir mit einer Zone besseren Wetters dazwischen rechnen.

Eigentlich war das Wetter, als wir in die Nähe der Stadt Salina kamen relativ gut, und wir dachten daran, einfach weiterzufliegen. Eine weitere Flugstunde brachte uns zu freundlichen Leuten, die auf uns warteten und sowohl Hangar wie auch Benzin bereit hielten. Alles sehr verlockend. Aber die Sonne hat auch die Eigenschaft, die Atmosphäre zu destabilisieren. Die Anzeichen waren bereits vorhanden. Da ich in dieser Gegend noch nicht geflogen war, verlasse ich mich bei der Interpretation des Wetters sehr auf die Meinung von lokalen Piloten. Diese waren einhellig der Meinung, dass sich ein Gewitter sehr schnell, innerhalb von 30 Minuten, aus dem Nichts zusammenbrauen kann und starker Regen mit böigen Winden gefährlich werden können. Wir beschlossen unser Glück nicht überzustrapazieren und landeten in Salina.

Das ist die Stadt Salina im Anflug auf den Flughafen:

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Und der Flughafen selbst hat wieder – wie oft in Amerika – eine fast bis ins Unendliche gehende Piste.

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Während des Landeanfluges erwischten uns noch ein paar Spritzer Regen, wie eine Bestätigung, dass wir die richtige Entscheidung getroffen hätten.

Wir rollten zu unserer Parkposition und breiteten die selbst gebastelten Abdeckplanen aus. So deckten wir unsere Gyros zu, mit dem Wissen, dass diese Planen heute vielleicht einen Härtetest zu bestehen haben.

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Ein Twinjet landete und parkte gleich neben unseren Gyros, die damit in guter Gesellschaft waren. Ein anscheinend sehr reiches Eheparr mit ihrem Enkelsohn stieg aus, und der Pilot und Copilot taten geflissentlich alles, um sie zu verwöhnen. Sie rannten hin und her, brachten verschiedene Dinge und schleppten Gepäck. Robert und ich sahen einander an: das war nicht die Art des Fliegens, die unser Herz höher schlagen lässt. Wir brauchen dazu einfach den Wind im Gesicht und weniger Metall zwischen uns und der Luft.

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Das Flughafenbüro war wieder typisch amerikanisch – im besten Sinne des Wortes. Zunächst kann man ohnehin zu jeder Tages- und Nachtzeit landen, doch das Büro war trotzdem 24 Stunden geöffnet. Eine gemütliche Sitzecke, Kekse, Kaffe und Eistee standen zur freien Entnahme bereit. Die freundliche Dame besorgte uns zwei Zimmer in der Stadt, drückte uns einen Autoschlüssel in die Hand („Einfach morgen wieder bringen. Das kostet nichts.“) und zeigt uns auf einer Karte noch den Weg zum Hotel, diversen Restaurants und einer Eisenwarenhandlung (ich brauche noch eine Schraube, um die Radabdeckung zu fixieren). Landegebühren gibt es selbstverständlich keine. Auch das Parken ist gratis. Falls es hageln sollte, bietet sie noch an, die Gyros im Hangar unterzustellen. Was will man mehr? Warum muss das in Europa alles so viel kosten und so furchtbar kompliziert sein?

Gerade als wir uns in Auto setzen, regnet es kurz. In der Nachbarschaft hängen dicke, dunkle Wolken.

Nachdem wir unsere Zimmer bezogen hatten, gingen wir mexikanisch essen. Wir hatten fürchterlichen Hunger, da wir das Frühstück ausfallen lassen hatten. Danach wusch ich meine Wäsche im Hotel. Dann breitete ich die Karten aus und widmete mich der Routenplanung für die zweite Hälfte der Reise. Immerhin lagen die Rocky Mountains als fliegerische Herausforderung noch vor uns.

Hier ist die weitere Routenplanung:

26. Mai: Salina – Hays – Colby.
27. Mai: Colby – Kit Carson – Colorado Springs.
28. Mai: Colorado Springs – Trinidad – Las Vegas, NM – Santa Fe
29. Mai: Santa Fe – Grants Milan – Gallup – Winslow – Clark
30. Mai: Clark – Valle - Grand Canyon – Valle – Clark
31. Mai: Clark – Kingman – Lake Havasu – Thermal
01. Juni: Thermal – Borrego Valley – Gillespie

Je nach dem, wie das Wetter mitspielt, kann das sehr entspannt werden oder ziemlich stressig. Am 7. Juni müssen wir auf jeden Fall die Gyros in San Diego haben. Eigenlich sollte sich das mit ein bisschen Puffer gut ausgehen.

Bedanken möchte ich mich auch bei den vielen freundlichen Leuten, die uns alle ihre Hilfe angeboten haben. Es gibt kaum einen Ort, wo nicht jemand auf uns wartet und mit Rat und Tat zur Seite steht. Auch das ist Amerika.

Robert & Chris.