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Strahlende Arzneien
von Robert Müntz

Ausgangspunkt und Motor für die Herstellung neuer radioaktiver Arzneien war Jan Scholten, der den Wunsch an mich als Arzneimittelhersteller richtete, neben den nun mittlerweile fast vollständig vorhandenen Lanthanidensalzen als Homöopathica nun auch radioaktive Salze der Actinoidenreihe zu potenzieren.

Die Herstellung radioaktiver homöopathischer Arzneien bringt neben der herkömmlichen Arbeit der Potenzierung (Lösungsvorschrift oder Trituration) zusätzliche rechtliche Fragen des Strahlungsschutzes mit sich, die vor Beginn der Arbeit geklärt sein müssen. Nach Gesprächen mit den Verantwortlichen des Austria Research Centers (ARC) in Seibersdorf und des Gesundheitsministeriums wurde kein Einwand gegen die Anfertigung entsprechender Centesimalpotenzen gegeben.
Herr Dr. Günter Hildebrand mit Unterstützung durch Herrn Gerhard Stolba von ARC, Nuclear Services,  zeigten sich höchst verständnisvoll für mein Anliegen, radioaktive Stoffe im Forschungszentrum zu potenzieren, und unterstützten mich großartig bei der praktischen Durchführung.
Es handelte sich dabei um die Stoffe Uranylacetat, Thoriumnitrat und Uranylnitrat, wobei die beiden ersteren Substanzen neue Arzneien in der Materia Medica sind.
Zu erwähnen ist, dass mit dieser Potenzierung Thorium als drittes natürlich vorkommendes Element der Actinoiden erstmals der Homöopathie zugänglich gemacht wurde. Noch ausständig ist die Potenzierung von Protactinium und Neptunium als die letzten Vertreter der fünf natürlich vorkommenden Actinoiden.

Durchgeführt wurde die Arbeit im Sicherheitstrakt des ARC in Seibersdorf unter entsprechenden Vorsichtsmassnahmen: Schutzkleidung und Schutzhandschuhe, Chemieabzug, Zählrohr zur Messung der Strahlung vor und nach dem Potenzieren.
Die Potenzierung erfolgte aus pragmatischen Gründen gemäss HV 5a, der Lösungsvorschrift des HAB 2003. Die Trituration wäre zwar aus der Sicht der Arzneiwirksamkeit vorteilhafter gewesen, liess sich aber auch aus Zeitgründen nicht durchführen, zumal sie mehrere Stunden dauert und der Zeitaufwand gegenüber der Leitung des Forschungszentrums nicht vertretbar gewesen wäre. Außerdem wäre die Kontamination mit radioaktivem Staub, der bei der Trituration entsteht, nicht auszuschließen gewesen.
Die Lösung der Stoffe erfolgte im Verhältnis 1:100 mit Ethanol 43 % und war unproblematisch, lediglich Uranylacetat brauchte zur Lösung etwa 15 Minuten. Danach wurde nach der Hahnemannschen Mehrglasmethode gemäss HAB 2002 zehn mal kräftig auf eine elastische Unterlage geschlagen und in das nächste Fläschchen im Centesimalverhältnis verdünnt.
Wesentlich für die Genehmigung der Herstellung durch die Behörden war, dass die Verdünnungsschritte deutlich über die Avogadrosche Konstante hinaus zu erfolgen hatten. Es wurde daher die Potenzierung bis zur C15 in der Mehrglasmethode durchgeführt, eine Verdünnung, die eine Million mal höher ist als jene Konzentration, bei der statistisch gerade noch ein Molekül des Ausgangsstoffes anzutreffen ist. Die Mehrglasmethode, also die Verwendung eines neuen Fläschchens bei jedem Potenzierungsschritt, liess auch Adsorptionsphänomene mit Sicherheit ausschliessen. Als reine Vorsichtsmassnahme wurde nach Beendigung der Potenzierreihe mit einem Geigerzähler nochmals überprüft, ob die C15 Lösung auch tatsächlich strahlungsfrei war. Danach wurde sämtliches Arzneimaterial und sämtliche Hilfsmittel wie Flaschenladen, Faserschreiber etc. zur Vernichtung im ARC zurückgelassen, lediglich die C15 Lösungen von Thoriumnitrat, Uranylacetat und Uranylnitrat wurde zur weiteren Verarbeitung in unser Labor nach Eisenstadt gebracht. Die Vernichtung des strahlenden Abfalles erfolgt durch Einbringen in flüssigen Beton, der in 100 l Endlagerungsfässer gegossen und nach Aushärtung in ein Endlager gebracht wird.
Radioaktive Arzneien in der Materia Medica
 


Plutonium nitricum 

Literatur 
Bolte; Synoptische Materia Medica - F. Vermeulen, Bd.2 S.805
gepr: Ritzer und Eberle 1995 Links 1/00 J.Sherr 

AMP / Chemie
Leitsymptome: Die Unterdrückung des Weges zum Grund des eigenen Wesens, der Wesenskern des Menschen zerfällt in verschiedene Persönlichkeiten; Drang, Dinge zu ordnen; Hartnäckige Empfindung von existentieller Bedrohung


Radium bromatum 

Literatur 
Bolte; Der neue Clarke;
Prisma - F. Vermeulen, 2002, S.1116
gepr.: John Clarke, 1904; Dieffenbach 1910; (20 Jahre nach seiner Prüfung: "If you have any friends, don´t let them prove this remedy" 

AMP / Chemie
Affinitäten: Haut, Nerven, Lymphatisches System, Muskeln und Gelenke Modalitäten: schlechter bei Bewegung, Rasierenbesser in frischer Luft, heissem Bad Leitsymptome: Angst in der Dunkelheit alleine zu sein; Verlangen nach frischer Luft; dumpfer Schmerz; Rheumatische Arthritis, Gicht; Trockenheit der Schleimhäute; wandernde Schmerzen, treten plötzlich auf und verschwinden langsam; Durchfall während des Essens; Juckreiz der Haut; Immobilität, Trägheit


Thorium nitricum 
Thornitrat, Th(NO3)4, MG. 480,15
 
Literatur
Remedia, dzt. noch ungeprüft

AMP / Chemie
Wichtigste Thoriumverbindung, kristallisiert aus der wässrigen Lösung in Form von grossen, farblosen, hygroskopischen Tafeln mit wechselnden Kristallwassergehalten (man kennt neben dem wasserfreien Salz Hydrate mit 4, 5, 6, 12 H2O); in Wasser und Alkohol sehr leicht löslich, die wässrige Lösung reagiert infolge Hydrolyse sauer und zersetzt sich allmählich unter Abscheidung eines basischen Salzes.

 



Uraninitum
 = Uranpechblende = Urstein 
Literatur
Bolte 



Uranium aceticum 

Literatur
Remedia, dzt. noch ungeprüft

AMP / Chemie
Essigsaures Uran, Uranylacetat, UO2 (CH3-COO)2.2H2O, MG. 424,19. Gelbe, fluoreszierende, rhombische Prismen, die bei 110° wasserfrei werden und bei 275° in Urantrioxid übergehen. Je 100g Wasser lösen bei 5° 7,7g U.; die wässrige Lösung scheidet allmählich basisches Salz aus. Darstellung: Durch Auflösen von Urantrioxid in Essigsäure. Verwendung: Als Reagenz bei der volumetrischen Phosphorsäurebestimmung und zum mikrochemischen Natriumnachweis bei Gesteinsanalysen. Nach Strugger eignet sich U gut als Kontrastierungsmittel für die elektronenmikroskopische Untersuchung von Pflanzenzellen.


Uranium chloratum
= Uranium mur. 

Literatur
Hansen´s Textbook of Materia Medica and Therapeutics of Rare Remedies; W. Schwabe: Pharmacopoea homoeopathica poliglotta, 1880, S. 342 

AMP / Chemie
Diabetes insipidus und mellitus



Uranium metallicum
= Uranium 

Literatur
Van Zantfoort´s Complete Repertory 

AMP / Chemie
Entzündung der Bronchien, Milchbildung vermehrt bis sehr reichlich, Abmagerung bei reichlichem Appetit und Heißhunger


Uranium nitricum 

Literatur
Bolte; W. Schwabe: Pharmacopoea homoeopathica poliglotta, 1880, S. 342; AHZ LXXVIII, pag. 22; British Journ. of Homoeop., VII, 1868; Oehme, Hale´s Am. Hlm., pag. 434; Synoptische Materia Medica - F. Vermeulen Bd.2 S.971; Konkordaz, -Vermeulen, S.1721;
gepr: Blake; Dictionary of Materia Medica, John Clarke 1902, Bd.3 ; S.1477 

AMP / Chemie
Erzeugt Glycosurie und steigert die Harnmenge. Verursacht Nephritis, Diabetes, Degeneration der Leber, hohen Blutdruck und Hydrops. Das therapeutische Leitsymptom ist starke Abmagerung, Schwäche, Tendenz zu Aszites und generalisierte Wassersucht. Rückenschmerzen und verzögerte Menses. Trockene Haut und Schleimhäute. Abmagerung und Tympanites. >Passt angeblich zu Fällen von Diabetes und Dyspepsie oder Assimilationsstörungen, während Ph-ac. besser zu Fällen nervöser Herkunft passt. Linke Seite stärker betroffen als die rechte.


Uranium oxydatum 

Literatur
W. Schwabe: Pharmacopoea homoeopathica poliglotta, 1880, S. 344 



Actinoiden-Reihe          

Allgemeine Beschreibung
Chemie / Physik

Die Actinoide (früher: Actinide) sind silbrig-glänzende, durchwegs radioaktive Metalle. Sie sind äußerst reaktionsfreudig und oxidieren sehr schnell an Luft. Mit Wasser reagieren sie unter Freisetzung von Wasserstoffgas.

Nur die ersten fünf Actinoiden - Thorium, Protactinium, Uran, Neptunium und Plutonium - kommen auf der Erde natürlich vor. Die beiden letzten sind Zerfallsprodukte von Uran. Alle darauf folgenden transuranischen Elemente wurden erst nach 1940 künstlich erzeugt.

Obwohl alle Actinoiden radioaktiv sind und grösstenteils Halbwertszeiten im Bereich von Sekundenbruchteilen oder einigen Tagen haben, gibt es auch sehr langlebige Nuklide. Zum Beispiel Thorium-238 mit einer Halbwertszeit von 1,4 a.

Von wirtschaftlicher bzw. militärischer Bedeutung sind nur Thorium, Uran und Plutonium, da sie zur Energieerzeugung oder als Bombenmaterial verwendet werden.


90 Th Thorium

Eigenschaften im Überblick

rel. Atommasse:  232,0381  
Ionisierungseng.:  6,95 eV
Schmelzpkt.:  2023 K  
Konfiguration:  [Rn] 6d² 7s²
Siedepkt.:  5060 K  
Oxidationszahlen:  4, 3, 2
Dichte:   11,72 g/cm³  
Atomradius:  179,8 pm (a)
EN.:   1,1  
Ionenradien:  99 pm (+4); 101 pm (+3)


Geschichtliches:
Th wurde in Form seines Oxids von Berzelius 1828 in einem norwegischen Mineral entdeckt und nach dem skandinavischen Donnergott Thor benannt.

Isotope
Das wichtigste Isotop ist Th-232 mit der Halbwertszeit von mehr als 14 Milliarden Jahren! Daneben sind 24 Radionuklide bekannt; von diesen weisen Th-230 (HWZ. 75.400 Jahre) und Th-229 (7340 Jahre) die längsten Zerfallsraten auf. Die Isotope Th-217 bis 220 sind bereits binnen weniger Mikrosekunden zerfallen.

Vorkommen
Der Anteil des Th an der obersten, 16km dicken Erdkruste wird auf 0,0011% geschätzt. Th ist nur an wenigen Stellen der Erde in grösseren Mengen angereichert; es tritt hauptsächlich in den Mineralien Monazit, Thorianit und Thorit zumeist in Gesellschaft von Seltenen Erden oder Uran auf. Man findet es u.a. auch in norweg. Syenit-Pegmatit-Gängen. Die 1960 als sicher angenommenen Th-Reserven (0,5 Mill. T Th-Oxid) der Welt verteilen sich folgendermassen (je 1000 t Th-Oxid): Indien 250, Kanada 200, USA 20, Brasilien 10; dazu dürften noch 0,3 Mill. t Th-Oxid wahrscheinlicher, bergmännisch nicht nachgewiesener Reserven kommen, von denen sich vermutlich ca. 0,25 Mill. t in Indien befinden. Im Bayrischen Wald (bei Bodenmais) wurde 1960/61 ein grösseres Th-Vorkommen entdeckt; das Erz enthält je t 2,5 kg Th und 0,1-0,15 kg U.

Verwendung
Hauptanwendungsgebiet: Herstellung von Mg-Th-Legierungen als Kernreaktor-Werkstoff; in USA wurden 1958 ca. 120 000 lb (= 68,5%) für diesen Zweck verarbeitet. Weitere Verwendungsweisen: Als Legierungszusatz für Heizdrähte elektrischer Öfen (vermindert Verzunderung) u. als gasadsorbierendes Mittel in der Hochvakuumtechnik; wichtiger ist Thoriumoxid. In Mischung mit spaltbarem Uran kann man Th auch zur Gewinnung von Atomenergie verwenden (gibt bei Neutronenbestrahlung spaltbares U 233); daher hat sich die indische Regierung durch ein Abkommen vom April 1947 das alleinige Ausbeutungsrecht der Monazitsande von Travacore (diese sollen etwa 75% des Weltbestandes an Th enthalten) zum Zweck der Atomenergiegewinnung gesichert. Da Th in der Erdkruste etwa viermal so häufig ist wie U, spielt es bei der Gewinnung von Atomenergie eine wichtige Rolle.


92 U Uran

Eigenschaften im Überblick

rel. Atommasse: 238,0289 
Ionisierungseng.:  6,08 eV
Schmelzpkt.: 1405,5 K 
Konfiguration:  [Rn] 5f³ 6d 7s²
Siedepkt.:  4091 K 
Oxidationszahlen:  6, 5, 4, 3
Dichte:   18,97 g/cm³   Atomradius:  138,5 pm (a)
EN.:   1,2  
Ionenradien:  80 pm (+6); 97 pm (+4)
 

Namensbedeutung
Das Element nach dem 1781 entdeckten Planeten Uranus benannt. (engl.: uranium)

Entdeckung und historische Bedeutung
Dem deutschen Chemiker Klaproth gelang 1789 die Isolierung eines neuen Metalloxids aus Joachimsthaler Pechblende, die man bis dahin für ein Gemisch aus Eisenerz und Zink gehalten hatte. Die Darstellung der metallischen Form liess aber mehr als 65 Jahre auf sich warten. Und erst mit der Entdeckung der Röntgenstrahlung 1895 sollte es wieder ins Zentrum wissenschaftlichen Interesses rücken. Becquerel konnte ein Jahr später zeigen, dass es sich bei der Strahlung von Uran um eine spontane und nicht um eine induzierte handeln musste. Zwar war die Fluoreszens der Uransalze schon des längeren bekannt, Becquerel konnte aber durch Dunkelversuche zeigen, dass die Strahlung des Urans nicht durch Lichteinwirkung verursacht wurde. Die Ursache aber konnte auch er nicht erklären. Dies blieb dem Forscherehepaar Marie und Pierre Curie vorbehalten, die 1903 den Nobelpreis für die Entdeckung der Radioaktivität des Urans erhielten. Bis zur Entdeckung der Kernspaltung 1938 durch die Deutschen Otto Hahn und Fritz Strassmann am Berliner Kaiser-Wilhelm-Institut in Berlin hatte Uran praktisch keine nennenswerte technische Bedeutung. Die bahnbrechende Entdeckung im Berlin des Dritten Reiches rückte es auf einen Schlag ins Rampenlicht des wissenschaftlichen und vor allem militärischen Interesses. Denn alle namhaften Physiker konnten sich die gigantische Energiemenge ausrechnen, die bei einer unkontrollierten Kettenreaktion entstehen musste. Und selbst Albert Einstein plädierte gegenüber dem US-Präsidenten Roosevelt für den Bau einer amerikanischen Atombombe, um den Deutschen zuvorzukommen. Die Anstrengungen der Amerikaner im Zuge des Manhattan Projects gipfelten in der Herstellung je einer Uran- und Plutoniumbombe, die über Hiroshima und Nagasaki abgeworfen wurden.

Vorkommen
Uran ist nach Thorium das zweithäufigste Actinoiden-Element; 23% der in der Erdkruste vorkommenden Actinoiden sind Uranisotope. In der Natur kommt es nicht elementar vor. Sein Anteil an der Bildung der Erdkruste wird mit ca. 0,0003 Gewichtsprozent angegeben. Das wichtigste Uran-Isotop U-238 steht am Anfang der Uran-Radium-Zerfallsreihe. Abbauwürdige Uranvorkommen findet man in Kanada und den Vereinigten Staaten, in Zaire, Südafrika, Namibia, Niger und Australien sowie in der tschechischen Republik. In Deutschland wurde Pechblende bis in die 50er in der Nähe von Wismut gefördert. Durch die intensive Suche nach Uran zur Herstellung der Atombombe sind heute knapp 150 Uranmineralien bekannt.

Eigenschaften
Uran ist ein radioaktives, verformbares, silbriges Metall. In Gegenwart von Luft reagiert es unter Bildung einer dünnen Oxidschicht. In feiner Pulverform verbrennt es ab 170°C, in kompakter erst bei 700°C. Das Metall wird von Wasser und Säuren angegriffen, gegen Alkalien ist es dagegen recht beständig. Die bevorzugten Oxidationsstufen sind +4 und +6. Die wichtigsten Uranverbindungen sind Uranoxid, Urandioxid, Urancarbid und vor allem Uranhexafluorid. Uran und seine Verbindungen sind nicht nur radioaktiv, sondern auch giftig. Der MAK-Wert für Uranverbindungen wurde in Deutschland auf 0,25 mg/m3 festgesetzt.

Isotope
Alle Isotope des Urans sind instabil und radioaktiv. Natürlich vorkommendes Uran ist ein Isotopen-Gemisch aus 99,275% U-238; 0,720% U-235 und 0,005% U-234. U-238 ist mit einer Halbwertszeit von 4,47 Milliarden extrem langlebig. U-235, das vor allem für Kernspaltungsprozesse verwendet wird, hat eine Halbwertszeit von 703,8 Millionen Jahren. Alle drei natürlich vorkommenden Isotope zeigen auch Spontanzerfall. Neben diesen natürlichen Isotopen sind noch weitere 13 Radionuklide bekannt, die in vom Menschen verursachten Zerfallsprozessen entstehen. Die Halbwertszeiten dieser Isotope liegen zwischen 159.200 Jahren (U-233) und 0,5 Sekunden (U-266).

Kernspaltung
Wird ein Uran-235-Kern mit einem thermischen Neutron beschossen, entsteht ein Uran-236-Kern, der spontan in zwei Kernstücke zerfällt. Es entsteht ein Barium-144- und ein Krypton-89-Kern sowie drei Neutronen. Diese Neutronen werden ausgeschleudert und treffen auf andere Uran-Kerne, die ihrerseits gespalten werden. Ist eine ausreichende Menge Uran vorhanden, kommt es zu einer sich selbst erhaltenden Kettenreaktion, bei der eine riesige Energiemenge in Form von Wärme frei wird.

Verwendung
Die Weltproduktion von Uran liegt bei jährlich 35.000 Tonnen. Technische Bedeutung hat vor allem die angereicherte Form des leicht spaltbaren U-235, das als Kernbrennstoff in Reaktoren und als Bombenmaterial verwendet wird.


94 Pu Plutonium

Eigenschaften im Überblick

rel. Atommasse:  244,0642   
Ionisierungseng.:  5,8 eV
Schmelzpkt.:  914 K  
Konfiguration:  [Rn] 5f6 7s²
Siedepkt.:  3600 K  
Oxidationszahlen:  7, 6, 5, 4, 3
Dichte:   19,74 g/cm³  
Atomradius:  151 pm (a)
EN.:   1,2  
Ionenradien:  93 pm (+4); 87 pm (+5)

Namensbedeutung
nach dem Planeten Pluto benannt; Pluto war der Beiname der griechischen Gottheit Hades. Der Name wurde in Anlehnung an die Planetenreihe Uranus, Neptun und Pluto entsprechend Uran, Neptunium und Plutonium gewählt. (engl.: plutonium)

Allgemein
Nach der Entdeckung von Neptunium Mitte 1940 war der Weg für den Nachweis des 94. Elements geebnet. Denn die Berechnungen von McMillan zeigten, dass die ss- -Strahlung von Np-239 zu ihm führen müsse. Dennoch blieb ihm der Erfolg verwehrt, da er noch vor Abschluss seiner Experimente zum Wehrdienst eingezogen wurde. Es blieb also Glenn T. Seaborg, Segré, Kennedy und Wahl um die Jahresende 1940/41 vorbehalten, den endgültigen Nachweis zu führen. Sie erhielten als Zerfallsprodukt von Np-238 das Isotop Pu-238. Plutonium war nach Neptunium bereits das zweite Transuranium-Element und der Ausgangspunkt für fast alle folgenden Actinoiden, die von der Arbeitsgruppe um Seaborg entdeckt wurden. Seaborg erhielt später für seine wissenschaftlichen Leistungen den Nobelpreis. Bereits Anfang März  1941 gelang den Forschern die Herstellung des in folgenden Jahren kriegswichtigen Isotops Pu-239. Berechnungen zeigten, dass dieser Alpha-Strahler hervorragend zur Kernspaltung geeignet war und ein besonders effektives Atombombenmaterial darstellte. So verwundert es kaum, dass die Öffentlichkeit erst nach dem 2. Weltkrieg von diesen folgenschweren Entdeckungen erfuhr. Bis Anfang 1944 wurde das Verfahren soweit verfeinert, dass die Amerikaner Pu-239 in Kilogramm-Mengen herstellen konnten. Als Ergebnis der gewaltigen Anstrengungen im Rahmen des Manhattan-Projekts besaßen die Amerikaner kurz vor Kriegsende neben dem umfangreichen Know-how zur fabrikmässigen Produktion von Atombomben jeweils eine Uran- und Plutoniumbombe. Die letztere wurde unter dem Namen Fat Man über der japanischen Stadt Nagasaki am 8. August 1945 abgeworfen. Sie stellte mit ihrer Sprengkraft von 20.000 Tonnen TNT alles in den Schatten, was man seinerzeit kannte.

Eigenschaften
Plutonium ist ein radioaktives, silbriges Metall. An der Luft bildet es sehr schnell eine dunkle Oxidschicht. Mit erhitztem Wasser oder Säuren reagiert es unter Freisetzung von Wasserstoffgas, was sich bei Störfällen in Kernreaktoren fatal auswirken kann. - Plutonium ist nicht nur radioaktiv, sondern noch dazu extrem giftig. Rein rechnerisch würde ein Kilogramm Plutonium ausreichen, um die gesamte Menschheit zu vergiften. Die a-Strahlung kann zwar relativ leicht abgeschirmt werden; wird das Schwermetall aber in winzigen Partikeln eingeatmet und in der Lunge eingelagert, führt dies unweigerlich zu Krebs.


Isotope
Alle Isotope sind instabil und radioaktiv. Insgesamt sind 15 Radionuklide bekannt, von denen einige außerordentlich langlebig sind. Die längste Halbwertszeit hat der alpha-Strahler Pu-244 mit 82,6 Mio. Jahren gefolgt von Pu-242 mit 376.300 Jahren und Pu-239 mit 24.110 Jahren. Die lange Halbwertszeit des gebräulichsten Plutoniumisotops 239 und dessen Wärmeentwicklung während des Zerfalls führen bei der Einlagerung von Atommüll zu unlösbaren Problemen. Bisher sind keine geologischen Formationen bekannt, die den sicheren Einschluss des Abfalls über mehrere Zehntausend Jahre garantieren können. Aus Fahrlässigkeit wurden bis Anfang der 80er Jahre mehrere 1000 Tonnen mit Plutonium verseuchte hochradioaktive Atommüllfässer in den Weltmeeren versenkt oder nur notdürftig vergraben. Wie erst 1993 von der russischen Regierung zugegeben wurde, explodierte Anfang der 50er Jahre ein Atommüll-Lager hinter dem Ural in der Nähe der geheimen Stadt Tscheljabinsk 53 durch eine Wasserstoffgas-Verpuffung im Anschluss an eine unkontrollierte Wärmeentwicklung. Dabei wurde eine grössere Fläche verseucht, als nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl. Das Gebiet ist bis heute Sperrzone.

Verwendung
Waffenfähiges Plutonium steht heute in grossen Mengen zur Verfügung; allein die Vereinigten Staaten besitzen heute über 100 Tonnen. Mit dem Zerfall der ehemaligen Sowjetunion ergibt sich die Frage, was mit den dortigen Mengen geschehen soll. Laut START-Vertrag ist Russland der einzige Erbe dieser tödlichen Hinterlassenschaften des sowjetischen Imperiums und für die sichere Lagerung verantwortlich. Aber die ukrainische Regierung hat sich aus politischen Gründen bisher geweigert, sämtliche Atomsprengköpfe abzuliefern. Die Ukraine ist heute nach Russland und den USA die drittgrösste Atommacht. Doch selbst wenn alle Sprengköpfe nach Russland transportiert sein sollten, bleibt die Problematik der Verbreitung von atomwaffenfähigem Material bestehen. Zwar wird von russischer Seite behauptet, dass beim Nachwiegen der Bestände kein Gramm fehle, doch die Glaubwürdigkeit derartiger Aussagen kann bei einer nicht funktionierenden Administration und völlig unterbezahltem Fachpersonal in Zweifel gezogen werden. - Auch in zivil genutzten Atomreaktoren fallen nennenswerte Mengen des gefährlichen Stoffes an. Man kann davon ausgehen, dass in den Atomreaktoren der Welt jährlich ca. 20 Tonnen Plutonium entstehen. Die gängigen deutschen Leichtwasserreaktoren des Biblis-Typs fahren mit speziellen Mischoxid-Brennstäben, die neben Uran auch wiederaufgearbeitetes Plutonium enthalten. Dieser von Siemens entwickelte Reaktortyp ist jedoch nicht mit Brutreaktoren zu verwechseln, die ursprünglich zur Herstellung von waffenfähigem Plutonium konstruiert wurden. In kommerziellem Betrieb befinden sich Brutreaktoren nur in der GUS, in Japan und Frankreich. Eine eigene deutsche Entwicklung - der Schnelle Brüter in Kalkar - ist am Protest der Bürger und aus technischen Problemen gescheitert. Nicht zuletzt trugen auch die explodierenden Kosten zum vorzeitigen Ende bei. Zu Planungsbeginn sollte die Anlange nur 500 Mio. DM kosten. In den 14 Jahren Bauzeit schnellten die Kosten auf knapp sieben Milliarden hoch. Der Reaktor ging nie in Betrieb, ist heute eingemottet, produziert aber weiterhin Instandhaltungskosten.
 

Literatur:
"CHEMIE LEXIKON", Hermann Römpp, Ausgabe 1966.
Konkordanz der Materia Medica, Frans Vermeulen, Ausgabe 2000
Prisma, Frans Vermeulen, Ausgabe 2002
 

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